Filmpremiere von Left Fields beim Wohnzimmer

9. Januar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Am 19. Januar startet unsere Wohnzimmer-Reihe ins neue Jahr. Dieses Mal gibt es keine Livemusik, dafür aber die Deutschland-Premiere des Dokumentarfilms Left Fields. Der Film bietet einen Einblick in die Welt einer D.I.Y Musikszene in der Grauzone zwischen HipHop, Indie Rock, Punk und experimenteller elektronischer Musik. Für Skribble-Besucher also kein Neuland. Im Gegenteil: Vielleicht findet sich der Eine oder die Andere sogar auf der Leinwand wieder, denn die Filmleute haben uns im vergangenen Jahr zweimal besucht und neben Konzertmitschnitten auch ein längeres Interview mit Skribblern für den Film aufgezeichnet.

Im Film seht Ihr unter anderem Aufnahmen von mit Robot Koch, James Reindeer, Th’Mole, DJ Scientist, Dark Time Sunshine, Ceschi und Zoën, die bei unseren Veranstaltungen entstanden sind. Außerdem sind Oskar Ohlson, Fulgeance, James P Honey, Noah23, Kay the Aquanaut und Babelfishh sowie das Label Project:Mooncircle dabei! Trotz Filmpremiere gibt es auch diesmal keine roten, sondern wie immer bunte Teppiche und ebensolche Stifte, Bilder und Beats. Beginn ist wie üblich um 19 Uhr, der Film startet um 20.30 Uhr.

Left Fields

Die Musikindustrie ist tot. Zugleich hat die Demokratisierung der Produktionsbedingungen, Vertriebswege und Vermarktungsmöglichkeiten durch den Heimcomputer und das Internet für Musikschaffende ungeahnte Möglichkeiten geschaffen. Musik kann ohne teure, professionelle Studios und finanzielle Unterstützung von Plattenfirmen produziert und verbreitet werden. Die Vielzahl an neuen Artists führt jedoch dazu, dass es für den Einzelnen mitunter schwer sein kann, Aufmerksamkeit zu generieren. Die Nutzung von Plattformen wie Facebook, Bandcamp, Soundcloud oder Blogs ist daher für den Erfolg von Musikern, die nicht von kommerziellen Massenmedien wahrgenommen und verbreitet werden, zu einem wichtigen Werkzeug geworden. Trotz dieser digitalen Möglichkeiten setzen viele der Künstler auf handgemachtes Art Work, Vinyl oder Kassetten Releases um einerseits aus der breiten Masse an Jewel Case CDs herauszustechen und andererseits Sammler, die außergewöhnliche Covers zu schätzen wissen, zu versorgen.

“Left Fields” beleuchtet exemplarisch das Sub-Genre Abstract HipHop und vor allem das Netzwerk,  das sich zwischen Artists geknüpft hat. Diese experimentelle Spielart des HipHop distanziert sich deutlich von selbstverliebten, mitunter sexistischen Auswüchsen ihrer Herkunftskultur. Zwar werden einzelne Elemente und Produktionstechniken vom HipHop übernommen, Form und Inhalt der Raps oder Beats werden jedoch weiterentwickelt und gänzlich umgedeutet. Die Inhomogenität des Sounds hat dazu geführt, dass sich im Musikjournalismus noch keine einheitliche Genrebezeichnung durchsetzen konnte, weshalb oft von Abstract HipHop, Indie HipHop, Postrap oder Avant Hop zu lesen ist. Generell handelt es sich mehr um eine eng vernetzte Community als um ein Musikgenre im klassischen Sinn.

Zentrale Figuren dieser DIY Bewegung - Idealisten, die gleichzeitig Musiker, Veranstalter, Indie Label Betreiber, Grafiker oder Herausgeber von Szenemagazinen sind - können nur bedingt von den Einnahmen, die sich aus Live Konzerten, Merchandise oder dem Vertrieb der eigenen Musik lukrieren lassen überleben. Ohne den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung  innerhalb dieser Szene wäre beispielsweise eine Tour durch Europa für viele Artists aus den USA unmöglich.

(Alle Bilder aus dem Film)
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